Joe Abercrombie: Kriegsklingen

Rezension des ersten Buches einer epischen Fantasy-Trilogie

08.07.2008 Jörn Käsebier

Besprechung des ersten Fantasy-Romans von Joe Abercrombie, der einen Barbaren, einen Inquisitor und einen eitlen Fechter in den Kampf um die Rettung der Welt schickt.

Der Barbarenkrieger Logen hat sein ganzes Leben lang gekämpft: gegen Plattköpfe, andere Barbarenstämme und seine eigenen Dämonen. Als er in einem Hinterhalt der plattköpfigen Schanka seine Gefährten verliert, macht er sich nach Süden auf. Dort, so sagen ihm die Geister, wird er einen legendären Magier treffen, der nach ihm sucht. Doch das Treffen mit dem Magier ist für Logen nur der Auftakt zu einer langen Reise. In Adua, der Hauptstadt der mächtigen Union, lernt Logen Hauptmann Jezal kennen. Jezal, der verwöhnte Erstgeborene eines Adeligen, lernt gerade, was es heißt, für ein Ziel zu arbeiten – beim großen Fechtturnier des Königs möchte er Ruhm und Ehre gewinnen. Er ahnt nicht, wie bedeutungslos sein Leben ist, ehe der legendäre Magier sich auch in sein Leben einmischt.

Inquisitor Glokta soll falschen Magier enttarnen

Glokta kennt im Gegensatz zu Jezal die Konsequenzen des gesellschaftlichen Aufstiegs. Als ehemaliger Meisterfechter zog er aus, um seinen Ruhm im Krieg zu mehren. Doch bei einer waghalsigen Attacke geriet er in Gefangenschaft. Nur knapp überlebte er die Folterungen, denen er in Feindeshand ausgeliefert war. Körperlich gebrochen, ergreift er den Beruf des Inquisitors und erarbeitet sich schon bald den Ruf, bester Folterer der Union zu sein. Als Meister der Intrige und Manipulation soll Glokta den legendären Magier als Schwindler enttarnen, als dieser in Adua eintrifft. Und Erzlektor Sult, Gloktas Vorgesetzter, duldet kein Versagen. Dabei kann es sich die Union nicht leisten, ihre Kräfte im Inneren zu vergeuden. Denn sowohl im Norden als auch im Süden drohen ihre äußeren Feinde mit Krieg …

Fantasy-Autor Abercrombie arbeitet hauptberuflich als Drehbuachautor

Der im englischen Lancaster geborene Joe Abercrombie (Jahrgang 1974) hat mit „Kriegsklingen“ seinen ersten Roman veröffentlicht. Es handelt sich um den Auftakt zu einer Trilogie, die im Original unter dem Seriennamen „The First Law“ (das erste Gebot) läuft. In der deutschen Übersetzung von Kirsten Borchardt hat sich der Heyne-Verlag entschlossen, die drei Bände lediglich durch ähnliche Titel zu verbinden. So heißt der zweite Band „Feuerklingen“ und der dritte „Königsklingen“. Für einen Erstling wirkt der Stil erstaunlich reif, und die Handlungsführung durch den Autor geschieht souverän. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Abercrombie hauptberuflich als Drehbuchautor in London arbeitet.

Spannendes Buch mit gut durchdachter Handlung

Seine Erfahrung mit visuellen Medien zeigt sich auch an der Kapitelgestaltung. Sie sind wie Szenen eines Films aufgebaut, lassen gleich die passenden Bilder im Kopf des Lesers entstehen. Erzählt wird aus der Perspektive der Hauptfiguren des Buches. Der Leser bekommt so Einblick in das Innenleben der Charaktere und betrachtet sie zugleich von Außen durch die Augen einer anderen Figur. Diese Perspektive wählen viele Autoren der epischen Fantasy. George R.R. Martin hat in seinem Lied von Eis und Feuer das Prinzip auf die Spitze getrieben. Zwar geht Abercrombie nicht so weit wie Martin und lässt auch wichtige Charaktere sterben, doch die Perspektivwechsel erlauben ihm, die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen zu lassen. Was Gut und was Böse ist, hängt meist an der Betrachtungsweise, so seine Botschaft. Daher gibt es in „Kriegsklingen“ auch keine Helden, sondern lediglich Anti-Helden. Und so sind es vor allem die an das wahre Leben angelehnten Figuren, aber auch die gut durchdachte Handlung, die das Buch so reizvoll und spannend machen.

Joe Abercrombie: Kriegsklingen. Heyne-Verlag 2006. Taschenbuch, 800 Seiten. Euro 15,00 (Österreich 15,50).

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