Markus Heitz – deutscher Fantasy-Autor

Porträt eines Schriftstellers, der die Bestsellerlisten stürmt

28.04.2009 Jörn Käsebier

Das Porträt zeichnet den Weg von Markus Heitz zum Bestsellerautor nach, schildert, wie er zu den Ideen zu seinen Fantasy-Romane kommt und wie sein Alltag abläuft.

Markus Heitz ist mit einer Größe von über 1,90 Meter ein wahrer Hüne. Bekannt machten ihn jedoch kleine Helden, deren Abenteuer allein in Deutschland von mehr als einer Million Fantasy-Fans gelesen wurden: die Zwerge. Seine Lieblingsgeschöpfe sind jedoch Vampire, die in der ein oder anderen Form in fast jedem seiner Romane auftauchen, sei es im Horror- oder Fantasy-Genre.

Markus Heitz – den Durchbruch brachten „Die Zwerge"

Markus Heitz wurde 1971 in Homburg/Saar geboren. Mit 14 Jahren begann er, regelmäßig zu schreiben. Zunächst vor allem Kurzgeschichten, später dann auch erste Romane. Dass er vom Schreiben würde leben können, glaubte Heitz jedoch zunächst nicht. Nach seinem Wehrdienst begann er ein Lehramtsstudium an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Als Lehrer sah er sich aber nicht, sattelte daher schon bald auf Magister um, blieb bei den Fächern Geschichte und Germanistik. Nach einem Volontariat arbeitete er zunächst als Journalist. „Ein schöner Beruf, von dem man aber als Selbstständiger kaum leben kann", sagt Heitz. Sein erstes großes Fantasy-Werk war der Ulldart Zyklus, in dem bereits viele literarische Vorlieben und Fähigkeiten des Autors deutlich werden: der Hang zum Düsteren und den dunklen Helden, die technischen Spielereien, die mal mehr, mal weniger praktisch und sinnvoll erscheinen sowie die guten Beschreibungen von Kampfszenen. Auch Schwächen wie die plötzlichen Wandlungen in Charakteren und die manchmal zu deutlich durchschimmernde Konstruktion der Geschichten zeigen sich bereits bei Ulldart. Die Serie bescherte Heitz den ersten von bislang sechs Deutschen Phantastik Preisen – doch erst „Die Zwerge“ brachte für ihn den Durchbruch und der Folgeband auch die Gewissheit, von der Arbeit als Autor allein leben zu können.

Der Autor gewinnt Ideen durch gute Beobachtung

Seine Ideen bekommt Heitz nach eigenem Bekunden aus dem Alltag. Gern schaut er sich Dokumentationen im Fernsehen an. Ein Bericht über einen Indio-Stamm, der seine Toten nicht begräbt, sondern nach Verwesen der Leiche die Knochen offen in den Hütten ausstellt, brachte ihn auf die Idee der Albae, Dunkelelben, deren Legenden eine ganze Reihe gewidmet ist. Die aus den Knochen ihrer toten Feinde gebauten Beinhäuser der Albae haben dagegen ein christliches Vorbild. Bei einer Lesung in Tschechien stieß Heitz auf eine Kirche, in der tausende Menschen im Mittelalter begraben worden waren. Da der Platz gering war, wurden die Gebeine übereinander gestapelt. Eine weitere Ideenquelle für den Autor, der beim Schreiben gern kräftige, bittere Schwarztees trinkt, ist seine kleine Tochter, mit der er möglichst viel Zeit verbringt.

Fünf Seiten für den aktuellen Roman

Den Arbeitsalltag im Zweibrückener Heim hat sich der freischaffende Schriftsteller so eingeteilt, wie ihn viele Angestellte erleben. „Ich habe schnell gemerkt, dass nachts nicht meine Arbeitszeit ist“, sagt Heitz. Daher setzt er sich gegen 9 Uhr vor den Rechner, schreibt bis zum Mittag und macht nach einer Pause bis 18 Uhr weiter. Das tägliche Ziel: mindestens fünf Seiten schreiben. Dieser Rhythmus und die Disziplin erklären, wie es der Saarländer schafft, zwei Bücher im Jahr zu veröffentlichen. Ihm hilft der strukturierte Tagesablauf aber auch dabei, den Stress vor Abgabe des Manuskripts zu vermeiden.

Die Bücher von Markus Heitz wurden mehrfach übersetzt

Von seiner Arbeit lässt er sich auch nicht von zahlreichen Fan-Anfragen abhalten. Einmal im Monat beantwortet Heitz die E-Mails, gelegentlich aktualisiert er seine Homepage. Einen Blog schreibt er nicht und in Foren ist er nur zu Sonderaktionen anzutreffen. „Das Internet ist ein brutaler Zeitfresser“, sagt der Autor. Berührungsängste mit den Lesern hat er jedoch nicht. Auf mehreren Dutzend Lesungen in Buchhandlungen, auf Messen und Fantasy-Conventions stellt Heitz seine Bücher vor. Wenn er liest, klingt seine Stimme gepresst, da er ihr ein dunkleres Timbre geben möchte. Die weich ausgesprochenen Konsonanten verraten die regionale Herkunft und durch das schnelle Sprechen schafft er leicht mehrere Abschnitte eines Buches pro Stunde. Nach Ende der Lesung diskutiert der Autor, der gern schwarze Kleidung trägt, mit den Besuchern, wenn es sein muss, auch auf Englisch. Heitz‘ Romane gibt es in acht Sprachen. Erfolgreich sind vor allem die holländischen Übersetzungen, im Sommer 2009 soll auch der Durchbruch in Großbritannien und den USA mit „The Dwarves“ folgen. In der Zwischenzeit arbeitet er bereits am nächsten Roman. „Solange es mir Spaß macht, werde ich schreiben. In welchem Genre ich mich in fünf Jahren bewege, weiß ich aber noch nicht.“

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